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Asia Inside… Vietnam

Eindrücke einer Reise nach Vietnam

Im Januar 2003 habe ich zum ersten Mal Vietnam besucht…

… von dieser Reise möchte ich einige wenige Eindrücke schildern. Nach ein paar Tagen der Akklimatisation in Singapur ist die Spannung groß, als wir in Saigon oder formal Ho Chi Minh-City landen. Was wird uns dort erwarten, besonders was wird uns direkt bei der Einreise erwarten?

 

EINREISE

Zunächst einmal eine lange Schlange von ebenso aufgeregten Menschen wie wir. Und dann natürlich Grenzbeamte in strenger Uniform mit unbeweglichen, abweisenden Gesichtern. Aber ausgerechnet bei meinem Mann huscht ein Lächeln über das Gesicht des Beamten. Er fängt sogar ein freundliches Gespräch an und macht spaßige Bemerkungen über unsere Kinder – sehr seltsam.

 

SAIGON

Die Stadt beeindruckt mich von Anfang an. Es herrscht ein faszinierendes Treiben. Das Leben pulsiert. Es ist laut. Es ist heiß. Es wird gehupt. Es ist voll. Aber es ist toll. Und trotz der Enge auf den Straßen und der Eile die man hat, strahlen die Leute eine gewisse Gelassenheit und Souveränität aus.

 

Überall werden Geschäfte gemacht. Jedes Haus hat im Erdgeschoss oder mindestens ein Zimmer zur Straße hin irgendetwas anzubieten. Und vor den Geschäften ist der Gehweg mit den Straßenverkäufern belegt. Rund um die Uhr sind leckere Suppen und anderes Essen für ein paar Dong zu haben. Es ist bewundernswert, auf welch engem Raum die Frauen, in der typischen Hocke, dem hungrigen Kunden eine Schale Pho servieren.

 

Von der kommunistischen Regierung ist nach außen hin im Stadtbild von Saigon nichts zu bemerken – zumindest nicht für mich als ausländische Touristin. Man hat eher den Eindruck in einem Land zu sein, in dem Kapitalismus pur herrscht. Selbst Propagandaplakate sieht man kaum. Einige wenige Polizisten in Uniform und ihre Helfer versuchen den Verkehr zu regeln, was aber ziemlich hoffnungslos zu sein scheint. Und die wenigen Polizeistationen, die wir sehen machen auch nicht gerade den tollsten Eindruck. Einwohner von Saigon können das aber natürlich ganz anders sehen –sie sind ja ganz anders mit dem System konfrontiert als Touristen, die für ein paar Wochen das Land von seiner besten Seite kennen lernen.

 

Verkehrsmittel Nummer eins ist die „Honda“. Die echte Honda dient als Statussymbol (ähnlich wie bei uns das Auto – je neuer und größer desto besser), die anderen und meist älteren Mopeds als Transport- und Fortbewegungsmittel jeglicher Art. Junge Vietnamesinnen im traditionellen Ao Dai fahren damit zur Arbeit, das Gesicht durch eine Maske und einen modischen Hut vor der Sonne geschützt. Ganze Familien finden darauf Platz, aber auch Fensterscheiben, Enten für den Markt und sogar ein junger Wasserbüffel wurde gut festgebunden darauf transportiert. Natürlich gibt es auch Autos, vorwiegend japanische und koreanische Marken. Die Mercedes, die einem des Öfteren begegnen, zeugen vom aufstrebenden Wohlstand. Dagegen sieht man kaum noch Cyclos im Stadtbild von Saigon. Hondas müssen natürlich auch geparkt werden. In der Stadt gibt es dafür private „Parkplätze“.

 

Sie bestehen aus einem Stück Gehweg, einem oder zwei Parkwächtern und einer provisorischen Abgrenzung. Auf engstem Raum wird hin und hergeschoben, damit möglichst viele Hondas Platz finden. Als Parkticket dient meistens eine Kennzeichnung mit Kreide auf dem Sattel. Bezahlt wird wie bei uns auch beim Abholen. Wenn aber die Hondas auf dem Gehweg parken, dann ist dort kein Platz mehr für Fußgänger. Fußgänger müssen also auf die Straßen ausweichen, was aber niemanden besonders stört. Die Polizei steht dem ganzen auf jeden Fall machtlos gegenüber – vor allem wegen der Bestechlichkeit der Beamten.

 

Zum Stadtbild von Saigon und den anderen größeren Städten von Vietnam gehören leider inzwischen viele Straßenkinder. Kinder, die sich durch Verkaufen von irgendwelchen Kleinigkeiten (Ansichtskaten, Süßigkeiten), durch Schuhe putzen oder auch durch Betteln über Wasser halten. Kinder, die nicht zur Schule gehen können, weil sie oder ihre Eltern nicht für das Schulgeld, das in Vietnam verlangt wird, aufkommen können. Es versetzt einem einen Stich tief ins Herz, wenn einen ein ca. 9-jähriger Junge anstrahlt, weil man ihm erlaubt die Schuhe zu putzen und er damit 2000 Dong (etwa 7 Cent) verdienen kann.

 

Wenn man genauer hinsieht und mit den Leuten spricht, entdeckt man auch Ungerechtigkeiten. Hier die bettelnden Straßenkinder, dort nach der neuesten Mode gekleideten Jugendlichen der neuen Oberschicht, die sich abends in teuren Cafés und Discos treffen. Hier die Müllsammlerinnen (sehr oft sammeln Frauen den Abfall ein), dort die reichen Beamten oder Firmeninhaber in ihrem Mercedes mit Chauffeur. Krankenhäuser, die nur für hohe Beamte zugänglich sind und Restaurants in denen Männergesellschaften bei gutem Essen und viel Wein und Cognac ihre Geschäfte tätigen und Beziehungen pflegen, gehören ebenso dazu.

 

Trotz aller Aufbruchsstimmung und Geschäftigkeit, die in Saigon herrscht zeigen Begebenheiten immer wieder, dass die meisten Menschen für ihren Lebensunterhalt hart arbeiten und kämpfen müssen. So hat sich das Hausmädchen in unserem Minihotel so sehr gefreut, als wir ein paar Sandalen und alte Hemden dort gelassen haben. Sie hat sie sofort in den Arm genommen und gemeint aus alt wird neu und dass die die Sachen sehr gut für ihren Sohn und ihren Mann brauchen kann.

 

 

HANOI

Die zweite Station der Reise war Hanoi und ein Abstecher in die Ha Long Bucht. Über Hanoi wird immer erzählt, dass es ganz anders ist als Saigon. Das kann ich nicht ganz bestätigen.

 

Auch dort ist inzwischen die Honda das bevorzugte Verkehrsmittel, auch dort fahren inzwischen viele Autos und es gibt dort kaum noch Cyclos. Ein Chauffeur erzählte uns, dass das Cyclo das teuerste Fortbewegungsmittel ist, da damit nur noch Touristen fahren und die ja mehr bezahlen können als Einheimische. Und auch in Hanoi wird sehr viel gebaut und renoviert. Die sehr schmalen Häuser werden einfach erweitert, in dem man in die Höhe baut, Das sieht schon eigenartig aus, diese schmalen langen und hohen Häuser und dazu noch die leuchtenden Anstriche in Rosa, Türkis oder Himmelblau. Oft ist das oberste Stockwerk mit einem kleinen runden Turm verziert und als Dachterrasse gestaltet.

 

Die Stadt selber hat natürlich schon durch seine Geschichte einen anderen Aufbau als Saigon, besonders die Altstadt mit ihren Handwerkerstraßen. Allerdings gibt es inzwischen in der Straße der Musikinstrumente vor allem Seidenläden und Galerien für die Touristen und in der Ölstraße werden Schuhe in Massen angeboten.

 

Der Ho Hoan Kiem See trägt ebenso zur besonderen Stimmung in Hanoi bei. Hier kann man auf der kleinen Insel im Tempel Den Ngoc Son richtig entspannen und sich vom Stress der Besichtigungen erholen. Besonders wenn man dabei die alten Schachspieler beim Grübeln und Diskutieren beobachten kann. Sogar die japanischen Touristen haben mehr Spaß daran, den Schachspielern zuzuschauen als den Erläuterungen der Reiseführer zu folgen. Da sie die Regeln des asiatischen Schachspiels genauso beherrschen wie die vietnamesischen Spieler, sind sie bald in intensive Diskussionen über die machenden Züge vertieft und müssen sehr energisch vom Reiseführer darauf hingewiesen, dass es weiter geht.

 

In Hanoi gibt es aber viel mehr Männer, die noch Vietcong-Helme tragen. Und oft hat man den Eindruck, dass es auch viele alte Veteranen gibt, besonders unter den Schachspielern von Den Ngoc Son.

 

Interessant ist, dass es vor dem Ho Chi Minh Mausoleum einen Park gibt mit schachbrettartig angelegten Wegen. Dort haben wir viele Männer und Frauen beim Sport, vor allem bei Walken getroffen. Manche haben auch Tai Chi Übungen zum Aufwärmen gemacht. Es war schon etwas seltsam anzusehen, wie sie immer ihre Bahnen gezogen haben. Die einen immer nur die Längswege, andere nur die Querwege und ganz Verwegene sind mal längs und mal quer gelaufen, aber immer in einem ganz gleichmäßigen Tempo und mit einer besonderen Ernsthaftigkeit.

 

 

HUE

Dass Ausländer immer mehr bezahlen müssen, haben wir auch in Hue festgestellt. Hier gibt es in den Kaiserpalast zwei Eingänge. Einen Eingang für Vietnamesen und einen Eingang für ausländische Touristen, an dem der Eintritt ein Vielfaches mehr kostet. Aber immerhin hatte nur ich als Langnase den höheren Preis zu zahlen. Das ist anscheinend schon ein Fortschritt gegenüber früher. In Hanoi und in Saigon gibt es übrigens einheitliche Eintrittspreise. Das ist eben noch eine Besonderheit von Hue. Aber es hat sich trotzdem gelohnt. Der Kaiserpalast, die „Verbotene Stadt“ und die Königsgräber sind sehr sehenswert, ganz im Gegenteil zur eigentlichen Stadt Hue.

 

Dort haben wir auch unsere einzigen richtig schlechten Erfahrungen gemacht. Wir wurden von zwei Cyclofahrern ziemlich übers Ohr gehauen. Dazu hat uns ein junger Führer eines Bootes furchtbar belästigt, weil er uns unbedingt eine Fahrt auf dem Parfümfluss Song Huong andrehen wollte- Bis zum Restaurant, wo wir zum Essen waren, und anschließend noch zum Hotel hat uns der Junge „verfolgt“ und zugequatscht. Mit dem Ergebnis, dass wir keine Bootsfahrt gemacht haben. Das war einfach zu viel der Werbung.

 

 

AUSREISE

Über die Ausreise haben wir uns eigentlich keine Gedanken gemacht – wir sind davon ausgegangen, dass es dort ganz entspannt zu gehen müsste. Aber wieder Beamte in strenger Uniform und mit unbewegten Gesichtern, die keinen Ton sagen. Alles geht nur mit Kopfnicken bzw. Gesten. Und ich habe es tatsächlich gewagt mit meinem Mann an den Schalter zu treten – ein schwerwiegendes Vergehen. Ein böser Blick und ein Zurückwinken schüchtern mich schon etwas ein. Dazu sind noch die gelben Ausreisezettel vertauscht. Meiner ist im Pass von meinem Mann und umgekehrt. Das verursacht ein heftiges Kopfschütteln und weitere böse Blicke. Außerdem wird dann nach unseren Tickets m Kommando-Ton gefragt. Später erfahren wir, dass das eigentlich die Aufforderung ist mit Geld diese Fehler wieder gut zu machen. Zum Glück haben wir diesen Wink nicht verstanden.

 

Aber selbst diese Schattenseiten können den positiven Eindruck, den diese Reise hinterlassen hat, nicht trüben. Ich habe jetzt wenig über die schönen Landschaften Vietnams berichtet, vor allem die sehr unterschiedlichen Landschaften. Aber von den Eindrücken standen eindeutig die Menschen im Vordergrund dieser Reise. Vietnam befindet sich in einer Aufbruchsstimmung, die ansteckend wird. Die Leute sind unheimlich geschäftig, immer auf der Suche nach Neuem, nach neuen Kontakten und auch positiv gestimmt für die Zukunft. Das war bestimmt nicht meine letzte Reise nach Vietnam.  

Die Verfasserin, Dipl. Volkswirtin (FH) Walburga Duong ist Mitglied des Asien-Hauses Stuttgart. In der Kommunalpolitik ist sie als Kreisrätin im Kreistag von Esslingen und Gemeinderätin in Neckartenzlingen tätig.
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